Ein ungarisches Unternehmen, das in München eine Niederlassung gründet, braucht meist zwei völlig unterschiedliche Sprachdienstleistungen gleichzeitig, einen vereidigten Dolmetscher für den Notartermin und eine schriftliche Übersetzung der Gründungsdokumente. Viele Gründer merken erst spät, dass beides selten aus einer Hand kommt.
Der Notartermin verlangt jemanden im Raum
Für die Gründung einer GmbH oder den Kauf einer Gewerbeimmobilie verlangt ein deutscher Notar in der Regel einen vereidigten Dolmetscher, der live vor Ort übersetzt, nicht eine schriftliche Zusammenfassung im Nachhinein. In München gibt es nur eine begrenzte Zahl vereidigter Dolmetscher für Ungarisch, und kurzfristige Terminanfragen scheitern oft schlicht an der Verfügbarkeit. Wer einen Notartermin plant, sollte den Dolmetscher Wochen im Voraus buchen, nicht Tage.
Warum die schriftlichen Unterlagen einen anderen Weg gehen
Gesellschaftsverträge, Handelsregisterauszüge und Gründungsurkunden müssen unabhängig vom Notartermin professionell übersetzt und oft zusätzlich beglaubigt werden. Diese Übersetzungsarbeit läuft parallel zum Dolmetschertermin, nicht durch dieselbe Person, denn Simultan- oder Konsekutivdolmetschen und schriftliche Fachübersetzung sind unterschiedliche Fähigkeiten, die selten in einer Person vereint sind.
Unternehmen, die versuchen, beides von einem einzigen Dienstleister zu bekommen, verlieren oft wertvolle Zeit, wenn sich herausstellt, dass die Qualifikation für eine der beiden Aufgaben fehlt.
Zertifizierung ist nicht überall gleich
Nicht jedes Dokument braucht denselben Grad an Zertifizierung. Eine interne E-Mail zwischen Geschäftspartnern braucht keine, ein Handelsregisterauszug oder eine notarielle Urkunde dagegen eine Beglaubigte Übersetzung, die von einer in Deutschland zugelassenen Person mit den korrekten Stempeln und Formeln erstellt wurde.
Ein Amtsgericht akzeptiert keine Übersetzung, die zwar inhaltlich korrekt ist, aber nicht von einer autorisierten Stelle stammt.
Laufender Geschäftsverkehr braucht ein System, keine Einzelaufträge
Unternehmen, die dauerhaft mit ungarischen Partnern kommunizieren, Verträge, E-Mails, technische Spezifikationen, profitieren von professioneller Übersetzung mit einem festen Ansprechpartner, der die Terminologie über alle Dokumente hinweg konsistent hält, statt jeden Auftrag einzeln neu zu vergeben.
Firmen mit mehreren laufenden ungarisch-deutschen Projekten nutzen dafür oft einen zentralen Übersetzungs-Hub, um zu sehen, welches Dokument in Arbeit ist und welche Version zuletzt freigegeben wurde.
Was Gründer im Vorfeld klären sollten
Wer frühzeitig zwischen Dolmetscherbedarf für Termine und Übersetzungsbedarf für Dokumente unterscheidet, vermeidet die häufigsten Verzögerungen bei einer Firmengründung. Ebenso wichtig: vor dem Termin beim Notariat oder Amtsgericht nachfragen, welcher Zertifizierungsstandard konkret verlangt wird, statt es erst bei der Einreichung herauszufinden.
